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Suzie Grime VS Die Welt: wird Kritik an Männerhass Mainstream?

vor 19 Stunden
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Original Artikel:
https://www.welt.de/vermischtes/article165923905/Wird-diese-Frau-gehasst-nur-weil-sie-eine-Feministin-ist.html
Wird diese Frau gehasst, nur weil sie eine Feministin ist?
Suzie Grime ist Youtuberin. Sie macht Videos über Mode, Drogenkonsum und Popkultur. Außerdem ist sie Feministin. Dafür wird sie gehasst. Behauptet sie. Aber wo beginnt im Internet eigentlich Hass? Eine Spurensuche.
Es ist Sonntag, 11.19 Uhr, und bevor Suzie Grime die Bühne eines umfunktionalisierten Berliner Heizkraftwerks betritt, posiert sie mit weit ausgestreckten Armen und verzerrtem Gesicht noch schnell für eine Handykamera. Der Raum ist gut gefüllt. Vor der Bühne sitzen Kinder und Jugendliche. Einige haben grün gefärbte Haare, andere tragen auf den Rücken geschnürte Turnbeutel, und auf dem T-Shirt eines Mädchens steht „Feminismus ist Liebe“.
Suzie Grime hält einen Vortrag zum Thema „Sexismus im Netz“. Wenn man über Sexismus spricht, dann muss man obviously, wie Suzie Grime sagt, auch über den Hass sprechen. Das mag daran liegen, dass man im Internet kaum noch sprechen kann, ohne dem Hass zu begegnen, oder besser gesagt: Es mag daran liegen, dass es viele Menschen gibt, die das Gefühl haben, dass man im Internet kaum noch sprechen kann, ohne dem Hass zu begegnen.
Genau deshalb war Hatespeech eines der großen Themen auf der Tincon, die dieses Wochenende in Berlin stattfand. Die Tincon ist ein dreitägiges Festival für digitale Jugendkultur und so etwas wie die re:publica für Kinder und Jugendliche und Suzie Grime, Anfang 20, aus Berlin nur eine der vielen Redner, die das Phänomen aus eigener Anschauung kennen.
In #Männerhass wird erklärt, dass Männer nichts erklären sollen
Suzie Grime macht normalerweise Videos über Mode, Drogenkonsum und Feminismus. Suzie Grime schreibt Artikel, die den Namen tragen „Wie mein Muschi-Tattoo mich zu einer besseren Feministin gemacht hat“, in denen sie sich über Double-Standards beklagt, also darüber, dass bei gleichem Verhalten für Männer andere moralische Maßstäbe gelten als für Frauen. Solche Verhaltensweisen würden Frauen herabsetzen, sagt sie in ihren Videos.
Und dann macht Suzie Grime noch Videos, die den Titel #Männerhass tragen, in denen sie sich sehr doll über weiße, heterosexuelle Männer aufregt, die ganz viele Dinge besser nicht tun oder sagen sollten, weil sie eben weiß und heterosexuell und männlich sind. Weiße, heterosexuelle Männer sollten Frauen zum Beispiel nichts erklären, erklärt Suzie Grime den weißen, heterosexuellen Männer. Mansplaining nennt man sowas und würde Frauen herabsetzen.
Mit solchen Videos macht sie sich nicht unbedingt beliebt. Suzie Grime sagt, dass sie gehasst wird, weil sie eine Feministin oder ein Gutmensch ist, und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass es wirklich einige sehr dumme Menschen gibt, die Suzie Grime dafür hassen, dass sie eine Feministin oder ein Gutmensch ist.
Ein anderer Teil aber kritisiert Suzie Grime nicht dafür, dass sie Feministin ist, sondern dafür, dass sie in ihren Videos mit Argumenten arbeitet, die ihre Thesen zwar stützen, aber keine echten Argumente sind. So werden Studien nur ausschnittsweise zitiert, es wird mit Übertreibungen und Überzeichnungen gearbeitet, und die Argumentationsketten sind auch nicht immer ganz stichhaltig. Es gibt Videos und Kommentare, die sich sehr sachlich damit auseinandersetzen.
„Und von wem kommen all diese Videos und Kommentare?“, fragt Suzie auf der Tincon-Bühne und rührt sowohl die tatsächlichen Beleidigungen, wie auch die sachliche Kritik zusammen und zeigt dann in ihrer Präsentation unter anderem ein Bild von dem kleinen Ralph aus den „Simpsons“, der eine Hakenkreuzfahne in der Hand trägt und sagt: „Ich will nur helfen.“ Die Nazis also.
Es ist so eine Sache mit dem Hass. Denn wenn wir über Hass im Internet sprechen, dann sprechen wir nicht unbedingt von Hass im Internet, sondern von dem, was die Menschen, die sich im Internet bewegen, als Hass verstehen und empfinden, und ob das wirklich immer tatsächlicher Hass ist, das ist die eigentliche Frage. Vielleicht ist das, was Menschen wie Suzie Grime als Hass empfinden, auch manchmal einfach nur eine andere Meinung.
Wo endet die Meinung, wo beginnt der Hass?

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