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Quantica Quantica

Drewermanns Märchenwelt (Folge 4) - "Schneewittchen"

vor 5 Tagen
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In dieser Sendung der Märchenwelt-Serie "Von einem der auszog" interpretiert und analysiert der Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann das Märchen "Schneewittchen" der Gebrüder Grimm. Das Märchen kann als Entwicklungsgeschichte eines Kindes gedeutet werden, das durch den Konflikt mit der Mutterfigur gezeichnet ist.
Die leibliche Mutter, deren Wunschkind Schneewittchen ist, versucht die eigenen Sehnsüchte und Wünsche durch das Kind zu leben. Zunächst scheint die Einsamkeit der Mutter gelindert, denn die Tochter ist all das, was sie sich erträumt hat: eine Synthese aller Gegensätze aus rot und weiß und schwarz. Doch das Glück währt nicht lange, die Mutter stirbt und der Vater, der in dieser Geschichte nur eine Randfigur ist, vermählt sich neu.
Eine neue Mutterfigur tritt in das Leben Schneewittchens, jedoch sieht die Stiefmutter in dem liebenswerten und anmutigen Kind nur eine Konkurrentin. Fortan wird Schneewittchen auf ihr "Äußeres" reduziert, die Stiefmutter, blass vor Neid, muss sich immer wieder aufs neue vergewissern: bin ich die Schönste im Land?. Eine Geschichte, so aktuell wie eh und je.
Drewermann: "Das Altern ist tödlich in einer Welt, die das Fehlen der Liebe durch den Zwang zur Selbstdarstellung zu kompensieren nötigt; kein Kampf ist aussichtsloser, als das Diktat von Jugend und Schönheit als Grundlage zu nehmen."
Schneewittchen muss um ihr Leben bangen und flieht. Nun könnte man meinen, die Stiefmutter könnte sich damit zufrieden geben, Schneewittchen kann ihr nicht mehr vor Augen führen, wie sehr das Alter an ihrer Schönheit nagt. Und doch: die Stiefmutter verfolgt sie, versucht sie zu töten, mehrmals. Ein Apfel, außen schön, doch innen giftig, lässt Schneewittchen leblos zu Boden sinken. Wie in vielen Märchen der Gebrüder Grimm kann auch hier nur die Liebe Schneewittchen retten, die Liebe eines Königssohns, der verspricht sie "zu ehren und hochzuachten".
Drewermann: "Bei Schneewittchen haben wir ein ganz und gar weibliches Problem, wer ist die Schönste im Lande. Es geht aber auch um Eifersucht. Es geht um Jugend und Älterwerden, und es geht am Ende um die Liebe, die erlöst, eine Geliebte, die nur noch da ist wie eine lebendig Tote, die man als Schaustück auf dem Berge in einem gläsernen Sarg den Augen feil bietet in Traurigkeit."
Märchen sind Menschheitsträume, vom Gelingen der Liebe und des Lebens und der Suche nach sich selber und dem Anderen.
Aus urheberrechtlichen Gründen bleiben die Musikeinspielungen ausgeblendet. Beantwortung von Hörerfragen ab 51:52.