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Gerald Grosz Gerald Grosz

Aktuelle Beiträge zum Zeitgeschehen, zur Innen- und Außenpolitik.

Zum Antisemitismus in Europa

vor 4 Wochen
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Rechter Antisemitismus, linker Anti-Israelismus, muslimischer Judenhass sind gleichermaßen eine Gefahr für unsere Gesellschaft. Für die Opfer, für unsere jüdischen Mitbürger, die älteren Brüder des Christentums, macht es keinen Unterschied, welche ideologische oder religiöse Herkunft ihre andauernde Verfolgung hat. Wenn angesichts des Attentats von Halle nun ein irrationaler parteipolitischer Streit, samt gegenseitiger Schuldzuweisung entflammt, sei allen Beteiligten dieser schamlosen Diskussion in Erinnerung gerufen: Es ist gleichermaßen ein Verbrechen politische Feinde des Judentums zu dulden, wie es auch die aktuelle Implementierung neuer Feinde für unsere jüdischen Mitbürger inmitten unserer Gesellschaft ist. Wenn im Jahr 2019 in Europa Juden auf unseren Straßen beschimpft und bespuckt, an Schulen gemobbt werden, sich ihres Lebens nicht mehr sicher sind, wenn jüdische Gemeinden in Europa dazu aufrufen, in der Öffentlichkeit keine Kippa mehr zu tragen, ihren Mitgliedern raten nach Israel zu ziehen, dann kann man die Ursache dieser realen Gefahr sowohl in kruden politischen Verschwörungstheorien der extremen Ränder unserer Gesellschaft, als auch direkt wie indirekt in den Auswirkungen einer zügellosen „Wir schaffen das“-Politik suchen und finden.

Es ist eine Schande für Deutschland und Österreich, für alle europäischen Staaten, für Länder deren schreckliche historische Erfahrung zur besonderen Verantwortung gebietet, dass Antisemitismus in welcher Form, von welcher Seite und wo auch immer geduldet, negiert, verharmlost, provoziert und sogar begünstigt wird. Rechte Zirkeln mit dem immer wiederkehrenden Reflex, für negative gesellschaftliche Entwicklungen eine Verschwörung des sogenannten „Weltjudentums“ zu verorten, wie auch linke Zirkeln, die in der Unterstützung der terroristischen Angriffe der muslimischen Welt auf Israel, gerade diesem unabhängigen Staat ganz unverhohlen das Existenz- und Verteidigungsrecht absprechen wollen – sie alle eint das Dasein als Wurzel des gegenwärtigen Übels des latenten Antisemitismus. Wer sich dieser Tatsachen nicht bewusst ist, hat jedes moralische Recht verloren, „nie wieder“ zu rufen. Denn dann verkommt „nie wieder“ zu einer billigen politischen Phrase der alltäglichen Auseinandersetzung, die dieser immerwährenden Verpflichtung nicht gerecht wird. Wer sich dieser Verantwortung nicht bewusst ist, wer es zulässt oder noch dazu einlädt, dass sich religiös fanatische Antisemiten im Herzen Europas etablieren, hat jeden Anspruch verwirkt, sich ehrlich im Schutz unserer jüdischen Mitbürger zu engagieren.